Time Machine

June 12th, 2011

Ein Interview mit Ela Orleans

Surreal, verwirrend, hypnotisierend! Die Musik auf Lost, Ela Orleans Album für La Station Radar, ist eine seltsame idiosynkratische Mélange: sie vereint sanfte Melancholie, aus dem Kontext gerissene Schlager aus einer anderen Zeit und experimentelle Soundscapes. Unergründliches Fernweh, sublime Abenteuergeschichten, seien sie vielleicht auch nur erfunden, und ein großes Maß abstrakter Sophistication schwingen bei den Stücken mit. Musik also, genau aus jenem Stoff gemacht, den wir, Armchair Travellers zumeist, lieben und doch selten zu hören bekommen.

Ela, die von sich sagt, dass sie von Musik, Geräuschen, Stimmen und Krach besessen sei, spielt Gitarre, Geige, Keyboards, Sampler und singt. Angeregt wurden die Texte auf ‘Lost’ durch Robert Walser, Sarah Feasdale, Bruno Schulz und Bill Rivers.
Elas erstes Album – High Moon Low Sun –  erschien noch weitgehend unbemerkt auf dem italienischen Setola Di Maiale – Label, das scheinbar keinerlei Promotion betrieb oder sonstiges Engagement an den Tag legte. Die Stimmung auf der Platte ist von ähnlich wolkenverhangener Natur wie bei Lost, die Stücke sind ästhetisch noch eine Spur roher, existenzialistischer. Der Effekt der übereinandergeschichteten Layers wirkt irgendwie wie leicht gegeneinander verschoben. Sentimentale, morbide Gassenhauer, aus einer Jukebox scheppernd, bitten zu einem zittrigen Danse Macabre Musicale. Aus dem Kontext gerissene Surfgitarren treffen auf obskure afrikanische Beats, mondsüchtige Drones auf Chelsea Girls. All das Schwere wird von Elas sprödem Humor in luftigere, unbeschwertere Stimmungsebenen gehievt.
Vergleichbar in der Wirking mit den komplexen Mixen Philip Jecks, vermengt sie live eingespielte und am Computer nachbearbeitete Musik mit Material aus Plattensammlungen und sonstigen Quellen zu verborgenen, zu entdeckenden, intuitiven Assoziationsketten.
In Lost investierte Ela Orleans noch mehr Energie und Arbeit. Das Album ist vielleicht der bislang wichtigste und persönlichste Meilenstein im musikalischen Werdegang der Künstlerin, es ist aber bei weitem nicht der einzige. Seit einiger Zeit erscheint ihre Musik bevorzugt, beziehungsweise aus Überzeugung in sperrigen Formaten bei verschiedenen Mikrolabels – derzeit sind das z.B. La Station Radar, Clan Destine, Night People, Beko. Lo-Fi – Ästhetik, eine punkige, unkommerzielle Ausrichtung und eine erstaunliche Kreativität im Verbreiten von Informationen und Aufbauen von Netzstrukturen ohne finanzielle Mittel sind die Themen, die die weltweit verstreuten Musiker und Labels eint. Besonders eng ist die Zusammenarbeit mit dem südfranzösischen Label La Station Radar, eine Kooperation, die von gegenseitigem Respekt bestimmt ist. LSR wurde von Jérôme und Fleur, nachdem sie zuvor längere Zeit in Glasgow lebten und von der dortigen sehr aktiven Szene inspiriert wurden, ins Leben gerufen. Ihre Veröffentlichungen – ausgezeichnete eklektische Sampler, eine Fake-Tape-Serie, und Projeke wie Skitter (ein weiterer Musiker, mit der Ela zusammenspielte), Archers By The Sea, Dead Gaze, Horsehair Everywhere, Dirty Beaches und Jeans Wilder sind fast alle hochkarätig.

Mittlerweile kann sie Glasgow und New York als wichtige Stationen in ihrer Lebenslauf betrachten, geboren wurde sie aber in Polen, genauer in Oswiecim/Auschwitz. Das dortige Aufwachsen und das Leben im Kommunismus beschrieb sie in einem früheren Interview für das Impulse Magazine. ‘Eine recht schöne, alte Stadt mit einer fürchterlichen Vergangenheit. Aufzuwachsen im Kommunismus war trübe und zog einen herunter. Ich konnte Gruppenaktivitäten nie ausstehen – Paraden, Sport, Bäume pflanzen etc. – ,andererseits kamen Leute aus aller Welt und paradoxerweise gab mir das Leben neben dem schrecklichsten Museum der Welt Hoffnung und weckte in mir den Wunsch andere Länder und Kulturen kennen zu lernen. Trotz dem repressiven System fühlte ich mich in unserer Wohnung sicher mit meiner Musik und meinen Büchern. Meine Eltern feierten oft Parties und die Leute bei der Arbeit rauchten wie in Mad Men.’

Der Prozess Musik als Eskapismus und Ausdrucksform zugleich nutzen zu können begann für Ela Orleans sehr früh. ‘Die Faszination für Klänge ist sehr eng verbunden mit der Erfahrung Musik durch das Radio und das Kino zu erleben. Bei der Wärme und Art von Unendlichkeit fühlte ich mich immer gut und behaglich – und, vielleicht klingt das seltsam – wichtig. Mit acht Jahren ging ich in eine Musikschule. Ich war in der Violinenklasse. Belegte Chor-, Orchester-, Rhythmik-, Musiktheorie- und Pianokurse. Zuhause spielte ich auch Flöte. Als Kind beschäftigte ich mich hauptsächlich mit klassischer Musik und Nachkriegs-Chansoniers, aber auch mit Jazz und 60er- und 70er Rock. Allgemein hinkte ich dem allgemein Angesagten immer etwas hinterher.’

Waren westliche Einflüsse in den 1980ern schon spürbar? ‘Kommt darauf an.. Wir kannten Madonna und Michael Jackson… Ich kann nicht wirklich beurteilen was für andere spürbar war, weil ich ein Musiknerd war und immer seltsame Tapes (meistens illegal) hatte, ein Interesse, das  ich mit niemanden teilen konnte. Ich hörte eine ganze Menge wirklich rarer Sachen, auf die ich stieß, wenn die sehr späten, obskuren Radioshows liefen. Als ich in den späten 1980er Sub Pop entdeckte, änderte sich meine ganze Wahrnehmung für Musik. Meine Erfahrung war wahrscheinlich nicht so unteschiedlich von dem westlichen Nerd. Ich musste einfach härter dafür arbeiten und tiefer graben um das herauszufinden.’

In Elas vielschichtiger Musik schwingt auch immer eine Art imaginärer Soundtrack mit bzw. sind viele der Stücke neben dem musikalischen Gehalt von einer beinahe filmmusikalischen Qualität, und die kommt nicht von ungefähr. Im Internet findet man auch vereinzelte Beiträge, die für das polnische Fernsehen konzipiert wurden, was die Frage nahelegte, ob sie dort fest arbeitete und ob der dortige Zugang über die Musikschule zustande kam?
‘Ich hatte keinen eigentlichen Job beim Fernsehen. Mein sehr guter Freund arbeitet für den interessantesten Fernsehkanal in Polen und glücklicherweise vertraute er mir genug, um mir die Chance zu geben den Bereich für Soundtracks zu erkunden und dort zu arbeiten. Ich bekomme hin und wieder Projekte vermittelt und versuche es als Karriereoption zu sehen. Die Musikschule musste ich nach dem Unfall – eine Kopfverletzung, aus dessen Folge ich unter einem Post Concussion Sydrome litt- aufgeben, da es die strenge musikalische Erziehung zu bewältigen verunmöglichte. Also begann ich zu malen und ging später auf die Kunstschule. Danach ging ich zur Schauspielschule; ich dachte dort würden alle meine bisherigen Interessen gespflegt werden können. Ich dachte, ich könnte mich an Filmen beteiligen, ähnlich denen, die ich als Kind liebte. Ich fand bald heraus, dass ich ein grossen Illusion aufgesessen war.’

Wie waren Deine dortigen Erfahrungen? ‘Polnische Kunstschulen sind kostenlos, aber sehr rigide und nehmen deine ganze Zeit in Anspruch. Man fühlt sich eher in einem Erziehungslager als in einer Schule. Ich kann mich daran erinnern, sehr wenig zu schlafen, keine Zeit zum ausgehen zu haben und gewaltige Mengen Alkohol zu trinken, wann immer die Gelegenheit dazu da war. Die Schauspielschule war auch phyisch anstrengend. Ich traf eine Menge großartiger Freunde dort. Ich denke, alle Kunstschulen vermitteln Jugendlichen gefährliche, aber romantische Ideen vom im Künstlerischen tätig zu sein. Beim Künstler sein geht es weniger um das in den der Kunst tätig sein, sondern eher um die Kunst in Dir.
Es benötigt einige Zeit nach der Kunstschule um den Unteschied zu sehen.’

Komponiertest Du zu dieser Zeit schon? ‘Nein, ich schrieb, malte, zeichnete und schaute obsessiv Filme. Ich denke nicht mal meine engsten Freunde konnten sich das damals vorstellen. Ich auch nicht. Ich dachte ich bin eine Malerin. Allerdings arbeitete ich im Radio, sprach zwar nicht, aber legte Platten auf. Sogar als ich begann meine musikalischen Experimente aufzunehmen, sah ich das als Therapie und hatte nicht die leiseste Ahnung davon, dass jemals etwas veröffentlicht werden könnte.’
Wie kam dann schließlich der Kontakt zu Glasgow zustande?
‘Durch die Schauspielschule. Ich wurde von meinen Freunden von der Royal Scottish Academy of Music and Drama eingeladen. Ich leitete zwei Programme dort, lernte viele Freunde kennen und entschied zu bleiben. Ich lebte dort (illegal) für drei Jahre, bediente überwiegend, putzte in Hotels und begann mich für Kollagen zu interessieren. Und ich machte meine ersten musikalischen Schritte.’
Normalerweise ist die musikalische Szene in Glasgow berühmt für ihre sensiblen Indie-Gestalten als Kontrast zur rauhen Umgebung?
‘Ja, genau. Jeden Morgen servierte ich den Belle and Sebastian- artigen Leuten Kaffee, als ich im Grosvenor Care (gibt’s nicht mehr) bediente. Ich fand Glasgow überhaupt nicht rauh. Ich lebte im West End, nahe des Parks und der Universität, in einer Villa…, was in London für das Geld, das ich als illegale Imigrantin verdiente, völlig unmöglich gewesen wäre. Die Kunstszene ist sehr interessant und die Architektur – großartig: sehr dunkel und massiv. Das Wetter, nun gut…’

Wie kamst Du dann in Kontakt zum experimentelleren musikalischen Umfeld der Stadt?
‘Ich mochte schon immer Noise und hing als Fan mit Bands ab. Aus sentimentalen Gründen kaufte ich eine Geige und einige Tage später wurde ich von einem meiner Freunde gefragt einige Takte in einer unabhängigem Radioprojekt, das von Transmission Gallery gesendet wurde, zu spielen. Die Idee Geige im RADIO zu spielen, nachdem ich einige Jahre überhaupt nicht mehr gespielt hatte, war so verrückt, dass ich zusagen musste. Es lief dann sehr gut und ich übte und spielte dann weiter mit diesen Leuten. Ich realisierte, dass ich von meiner muskalischen Vorstellungskraft mehr als von meinen Fähigkeiten gebrauch machen konnte. Es war sehr befreiend und macht Spass. Später dann gründeten wir eine Band – Hassle Hound.’
Hassle Hound – Ela Orleans, Tony Swain, Mark Vernon – spielen eine stark von abenteuerlich-schrillen Samples (ja, die eigene Plattensammlung dient diesbezüglich als Archiv) und Loops geprägte Musik, die auch von der Spontaneität lebt – man trifft sich aus logistischen, geographischen Gründen nur selten – und der Unterschiedlichkeit der Mitglieder lebt. Auf Staubgold erschienen diverse Platten.
Die polnische Musikszene ist durch Labels wie Musica Genera in letzter Zeit wieder etwas mehr in den Fokus gerückt. Gibt es noch Kontakte zur Heimat?
‘Ich zog mich vollständig aus der polnischen Musikszene zurück, als ich 2004 ging. Aber, um ganz ehrlich zu sein, begann der Rückzugsprozess schon als Teenager.’

Nächste Station: New York City. Schwerer Fall von Assoziations-overkill. Klassische Auswanderergeschichten, literarische, filmische, künsterlische Reflektionen, dramatisch, mythisch, romantisch, vielleicht gar langweilig?
‘Für mich war es eher dramatisch als romantisch. Ich kam 2004 nach NYC, während der zweiten Amtszeit von George W. Bush und inmitten desaströsen wirtschaftlichen und politischen Gepflogenheiten, die zu Reagan – Zeiten begannen und schmerzlich von der jetzigen Adiministration weitergeführt werden. New York ist nicht die Stadt, die man von Godfather oder Mean Streets kennt. Cool, dass es keine Schießereien gibt, wenn ich nach Hause laufe, denke ich… Die Leute in NYC sind froh über die verbesserte Sicherheit auf den Straßen. Für mich ist es schwierig mich nicht so zu fühlen wie ich bei lebendigem Leib aufgefressen werde, wenn ich mich jeden Tag auf diese ‘sicheren’ Straßen bewege. Ich finde auch, dass es auf genau diesen Straßen jeden Tag Proteste geben müsste, aber es gibt keine…’
Wie ist Deine Geschichte?
‘Ich könnte mit einem sehr glamourösen Bild aufwaten… Meine Geschiche geht in die Richtung von Gleichgültigkeit und Entkräftung, verursacht gleichermasen durch das sich Bewegen mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln, Einsamkeit, komplettes Fehlen von jeglicher sozialer Unterstützung. Umgeben zu sein von einer unmäßigen Anzahl ‘Networking Gadgets’ verschlechtert mein Leben zusätzlich.’
Ist das kulturelle Klima ähnlich?
‘Ich bin erschpöpft und dabei die Stadt zu verlassen. Da sind Dinge, die ich inspirierend finde: die WNYC und Pacific – Radiostationen, den New Yorker, einige Ausstellungen im Metropolitan und Whitney – Museum und vor allem: Film Forum, das beste Kino der Welt. Auch der untere Teil der Second Avenue, Jackson Heights und Brighton Beach – die am wenigsten gentrifizierten Orte von NYC. Und Harlem und The Shrine, wo ich Shows sah, die mich vor Freude weinen ließen. Ein spezifisches kulturelles Klima ist mir nicht bewusst, um ehrlich zu sein. Es gibt Tonnen von Sachen, die ich jeden Tag ausfindig machen kann, alt und modern, heute dies, morgen jenes. Ich versuche so viele Dinge zu sehen wie ich kann, aber in letzter Zeit bin ich entweder zu müde oder zu abgebrannt, oder beides.’

Wie steht es um die vielbeschworene Offenheit? Du tratst auch schon in Clubs wie The Stone und der Knitting Factory auf?
‘Man kann im The Stone nur auftreten, wenn man vom Kurator angefragt wird, der wiederum von John Zorn bestimmt wird (jeden Monat jemand anderes). Ich wurde von Lukas Ligeti angefragt, der mein Mentor an der New York Foundation for the Arts program for Immigrant Artists war.
Die Knitting Factory… Ich spielte dort zweimal. Beidesmal verschwand der Soundingenieur vor meinem Soundcheck und der Promoter lief mit dem Geld davon, bevor noch ich meinen Auftritt beendete. Knitting Factory, Pianos, Glasslands – das alles mag cool klingen, ist es aber nicht. Alles überflüssige Erfahrungen, verursacht durch eine unselige Figur namens Promoter. Als eine offene Person sollte ich eigentlich einige wirklich unfeine Worte ins Spiel bringen um diese Typen zu beschreiben, aber es kümmert mich nicht mehr. Ich verlassedie Stadt ohnehin demnächst.’
Mit der eklektischen, uneinsortierbaren Musik, die Ela Orleans komponiert, sollte sie eigentlich prädestiniert sein, auf prestigeträchtigen Avantgarde-Labels wie Tzadik zu veröffentlichen. Oder bevorzugt sie weiterhin die anarchische Einstellung von La Station Radar und Night People?
‘Ich denke nicht, dass ich ins Tzadik-Raster passen würde. Ich bin zu sehr Punk. Und ich hasse CD’s. Ich liebe meine Labels: La Station Radar, Night People and Clan Destine Records und ich möchte bei ihnen bleiben. Ich möchte sie größer werden sehen. Aber nicht zu groß, gerade so, dass ihren Werten treu bleiben können. Sie sind auch Punk und sie passen zu meinem unkompromisslosen Stil.’

Lost ist ein großartiges Album über das Leben an einem fremden Ort. Warst Du in der Entstehung beeinflusst von anderen Künstlern, die als Zuwanderer schon über dieses Gefühl sich geäußert haben, wie z.B. Chantal Akerman? ‘Nein, gar nicht.‘Eher von David Holzman’s Diary, physisches Erfahrungen über das Leben in der Stadt, amerikanischen Dichtern, Beat Literature. Damals war ich enorm von den Shows westafrikanischer Musiker in Harlems Shrine, mein Lieblingsclub in NYC, beeinflusst.’
Wie entsteht deine Musik. Hast du bevor du beginnst schon ein genaues Konzept erarbeitet oder bevorzugst den improvisatorischen Prozess?
‘Beides. Ich lerne durch Fehler. Während ich an einem Projekt arbeite mache ich auch jede Menge musikalischer Sketche, die später wiederum als Eröffnung für ein neues Projekt werden. Es ist ein bißchen wie ein Teufeskreis und eine Reise ins nirgendwo.’
Unterscheidet sich die Arbeit für das Fernsehen grundsätzlich?
‘Wenn ich für das Fernsehen arbeite, ist mir eine bestimmte Zeit vorgegeben. Manchmal sind es nur fünf Sekunden und oft ist es schwieriger kreativ zu sein in solch einem minimalen Raum. Es ist viel rigoroser und verlangt Disziplin und Flexibilität. Auch ist der Prozess an sich unterschiedlich, die Erfahrung nutze ich dann für meine eigene Projekte.’
Du arbeitest viel mit Layers. Ist das ein bißchen wie an einer Kollage arbeiten oder malen?
‘Ziemlich. Oder Geschichten erzählen… Oder das Leben…’
Die Samples die Du verwendest wirken oft wie eine Art melancholisches kollektives Gedächtnis. Ist das ein intuitiver oder ein bewusster, ein abstrakter oder persönlicher Prozess?
‘Beides. Ich vertraue meiner Intuitution und meinem Geschmack. Und ich habe eine großes Empfinden für die Vergangenheit. Ich bin melancholisch und anstatt im Bett zu liegen und zu heulen lasse ich diesen Teil von mir das meiste meines kreativen Jobs tun.’
Abstrakt bedeutet oft persönlich für mich, da ich ziemlich abgelöst von der Wirklichkeit bin. Literatur und Kino sind meine Lieblingswege von öden, primitiven und lähmenden Aspekten des Lebens davon zu laufen (zum Beispiel Geld verdienen). Das komische ist, dass ich dazu tendiere von dem Abtauchen in die depressivste Literatur, die je geschrieben wurde, davon zu laufen. In anderen Worten: Ich könnte niemals über Dinge, die mir nicht vertraut sind, singen.’
Denkst du, dass eine schnelle Stadt wie NYC langsamere Musik provoziert?
‘New York schnell? Warst Du schon in New York? Die Leute stehen in der Mitte der Rolltreppen, die nach UNTEN gehen. Wenn du auf der Post bist fühlst du dich als würdest du von gelähmte Schnecken bedient. Wenn du durch China Town gehen möchtest, auf Zehenspitzen ist der Laufstil, denn du gezwungen bist zu wählen. Es braucht auch ewig und drei Tage bis dir Leute bezahlen, was sie dir schulden. Nein, New York ist überhaupt nicht schnell. Es fühlt sich oft wie eine Wartehalle mit interessanten Leuten an, die du nie wieder sehen wirst. Ich verstehe aber, was du mich fragen möchtest… Und ich muss sagen: Nein, ich glaube nicht.’

Wie siehst du deine Erfahrungen mit musikalischen Kollaborationen verglichen mit der isolierten Situation, wenn du Musik alleine komponierst?
‘Es geht um Freiheiten. Wenn ich mit anderen spiele, hat man mehr Spaß usw. Wenn ich aber alleine bin habe ich mehr Kontrolle über meine eigenen Ideen, wie sie ausgeführt werden, was die letzte Entscheidung ist. Es ist auch billiger und einfacher zu reisen als ein Ein Mann – Orchester. Ich denke Soloarbeiten sind reflektiver, persönlicher und – in meinem Fall – fokusierter als Gruppenarbeiten.’
Welche Kriterien sind für dich bei der Hüllengestaltung ausschlaggebend?
‘Ich wähle gute Künstler aus. Aber ich versuche auch so klar wie möglich zu sein wie ich meine Arbeit verpackt haben möchte. Gewöhnlich habe ich eine grobe Idee oder ein Bild in meinem Kopf. Ich bin sehr glücklich, was die Ästhetik meiner Lables anbelangt und auch über die Tatsache, dass ich Ideen diskutieren kann und Raum für Veränderungen ist.’
Ist der visuelle Aspekt wichtig für dich, wenn du auftrittst. Sind da die Erfahrungen von der Theaterarbeit von Vorteil?
‘Ich arbeite nicht für das Theater. Seitdem ich nach New York zog arbeitete ich als Bühnenmanager für ein Theaterprojekt. Ich bezahle meine Rechnungen (und Steuern), indem ich als Bildhauerin, Malerin und Künstlerin/Personal Assistant arbeite. Wenn ich auf der Bühne bin, kümmere ich mich nur darum ob mein Equipment auf AN steht und problemlos funktioniert. Ich muss auch mein Stück Papier mit der Reihenfolge der Titel sehen. Ich habe fürchterliches Lampenfieber und alles was ich möchte, ist durch die Show ohne größere Fehler zu kommen. Ich möchte alles möglichst einfach halten und Einfachheit ist der Aspekt, um den ich mich sehr kümmere.’
Arbeitest du mit Projektionen und ähnlichem?
‘Nein. Wäre da ein Film im Hintergrund würde mich das durcheinanderbringen und ich wäre unkonzentriert. Ich denke die Zeiten, als die Schatten von zwei Typen mit ihren Laptops zum Kaleidoskop wie Farbklekse im Hintergrund spielen, sind vorbei. Ich sah einen fantastischen Auftritt von Faust, die zu Nosferatu spielten vor einer Weile. Ich habe einige Ideen, aber ich müsste eine Menge Zeit übrig haben diese auszuarbeiten. In der Zwischenzeit bastele ich an Videos für die Songs meiner erscheinender Veröffentlichungen.’
Sind die zwei angekündigten Platten musikalisch sehr unterschiedlich von den bisherigen?
‘Es sind mehr als zwei… NEO PI-R (Tape auf Clan Destine Records) ist im Mai erschienen. Das Album ist so low fi wie ich nur sein kann. Es sind 16 Stücke, die ohne Computer auf einem 4-Track Rekorder mit einem Casio Keyboard, Tranistor Radio, Plattensammlung und Stimme entstanden sind. Alles ist ziemlich ‘dancy’ und ein bißchen ‘goth’ und ‘dub’ manchmal. Meine Split-LP mit Dirty Beaches Double Feature ist im Juni auf La Station Radar/Atelier Ciseaux und Night People erschienen. Die Musik kundschaftet das cinematographische und literarische Feld aus. Das Album ist weniger eklektisch und mehr komponiert, denke ich. Im September wird Mars Is Heaven erscheinen, eine einheitlichere Platte. Dann ist noch eine weitere Veröffentlichung für Night People geplant und eine Solo-LP für Clan Destine Records, zusätzlich noch ein Projekt für BEKO (ihre letzte digitale Veröffentlichung) und es gibt einen Plan für eine Remix – LP. Ich werde auch an einem Remix für Holy Strays arbeiten. All dies sollte bis Frühjahr 2012 erscheinen. Ich bin mir sicher, dass es einige Ähnlichkeiten geben wird. Wenn ich an einer neuen Platte arbeite, denke ich nicht wirklich zu sehr daran was ich zuvor gemacht habe… Es ist vielleicht ähnlich wie ein neues Buch schreiben. Es wird einfach eine andere Geschichte werden.’

http://elaorleans.wordpress.com/

http://lastationradar.com/

http://clandestinerecords.bigcartel.com/

www.nightpeople

Die englische Version des Interviews findet sich hier:

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