The Raincoats

November 1st, 2009

The Raincoats – The Raincoats

Als Nottinghill noch nicht die Yuppies, sondern die Bohème anzog, die sich im damals ärmeren Teil von Londons Westen unter den zahlreichen Einwanderen aus den Ex-Kolonien wohlfühlte – Colin Macinnes hat daraus eine Trilogie gemacht -, war dies ein idealer Ort für Subversionen jeglicher Art und ebnete zwanzig Jahr später logischerweise auch den alternativen, politisch motivierten Vertretern des Punk den Weg. Der Rough Trade – Laden in der Talbot Road als Nervenzentrum und Informationsaustauschbörse für ständig neu gegründete Bands, die sich von der ersten Welle musikalisch inspirieren ließen, aber im Gegensatz zu diesen, nicht versuchten, bei einem der großen Labels unterzukommen, sondern ein D.I.Y.-Ethos lebten. The Raincoats waren trotz der Vielfalt an neuen Bands und Stilen speziell, neben den Slits und Kleenex waren sie einerseits bei der Gründung eine der wenigen Frauenbands, sie hatten einen feministischen und politischen Anspruch und wagten sich stilistisch in ungewohnte Terrains vor. Gina Birch stammte ursprünglich aus Nottingham, Ana Da Silva zog von Madeira nach London. Beide lernten sich am Art College kennen, wie man das in GB scheinbar immer tut. Palmolive von den Slits spielte Schlagzeug und mit Vikkie Aspinalls’ Violine rücken sie schon einmal von der reinen Lehre des Punk ab. Odyshape, ihr zweites Album, das mit esoterisch-versponnener Folk-Avantgarde so weit wie nur möglich von jeglichen Rockismen abrückte, ist in den Kanon der Alternativkultur der Achziger aufgenommen worden, aber schon das Debut ist auf seine Art ein Meilenstein, der auch die Richtung der ersten Rough Trade – Jahre prägte, als dort die wichtigste und kompromissloseste Musik der Dekade veröffentlicht wurde. Auf The Raincoats kann man die Gruppe sich in Echtzeit entwicken hören. Sympathischer Diletantismus mischt sich mit Ambition und Experimentiergeist; Birchs vom Rock und Da Silvas irgenwie von der portugiesischen Folklore inspierieten Songs ergeben eine holprige, schrille aber nichtsdestsoweniger subtile Musik, die sich auch heute, dreißig Jahre später (ähm…), unverbraucht anhört. Lange Zeit vergriffen, ist das Album nun von der auch wieder aktiven Gruppe selbst wiederveröffetnlicht worden; vertrieben von Rough Trade, so schließt sich der Kreis. (theraincoats.net)

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