Ripples September 2012

September 5th, 2012

Gareth Williams & Mary Currie – Flaming Tunes
Das in der Mitte der Achziger Jahre im Londoner Untergrund und darüber hinaus kursierende Album Flaming Tunes von Gareth Williams und Mary Currie, das ursprünglich auf Kassette veröffentlich wurde und nun, nach einer CD-Version 2009 erstmals auf Vinyl erhältlich ist, steht exemplarisch für den Umbruch von der wütenden bis unterkühlten Ästhetik der politisch motivierten Punk/New Wave-Szene hin zu einer introspektiveren und persönlicheren Ausrichtung.

Seelenverwandte Zeitgenossen wie Mick Hobbs / Officer, Bing Selfish, Family Fodder oder Up Murphy Street erfanden das britisches Songwritertum zwar nicht neu, sie knüpften vielmehr an Musiker wie John Greaves, Kevin Ayers oder Anthony Moore an, brachten aber aus dem Punk die Kunst der Auslassung und ein minimalistisches Konzept mit, dass sich beispielsweise schon aus wirtschaftlichen Gründen in der Produktionsweise – Wohnzimmeraufnahmen mit 4-Spur-Tonbandgeräten anstatt teuren Studios – bemerkbar machte. Die hohe Kunst, Songs gleichzeitig ernst und wie dahin geschludert zu komponieren, ist, behaupte ich, ausschließlich den Briten eigen.(US-amerikanische Pendants aus jener Zeit wie Non Credo oder David Garland pflegten einen ähnlichen Grad an Sophistication, orientierten sich aber deutlicher am klassischen Kunstlied.)
Als Mitglied von This Heat war Gareth Williams für zwei der wegweisendsten Alben überhaupt mitverantwortlich. Die paranoide Endzeitstimmung der Thatcher/Reagan-Ära manifestierte sich kaum in einer anderen Musik so apokalyptisch und zugleich mit galligem Humor. Nach der Auflösung der Gruppe fühlte sich Williams vom Reisen und anderen Ideen inspiriert. Die warme, poetische Musik, die als Gemeinschaftsprojekt mit seiner Partnerin Marie Currie (Voice, Piano, Clarinet) entstand, spiegelt deren eklektische Interessen wider: Subtile Einflüsse aus der Ethno-Musik, die Skurrilität eines Satie, Minimal Music, Field Recordings, Dub, Folk-Songs oder die Aufbruchstimmung der Avantgarde sind in den persönlich bis abstrakten Songs auszumachen, die auch nach all den Jahren ihren Zauber bewahrt haben.
(Gareth Williams verstarb 2001. Er wurde nur 48 Jahre alt.)

Blackest Ever Black

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