Ripples August 2013
August 15th, 2013
Saboten – Floor et Satie
Mit der Wiederveröffentlichung des ersten Saboten-Albums auf Vinyl nach schlappen 31 Jahren ist einer der Meilensteine der damals (wie heute) an Kreativität und Orginalität blühenden japanischen Do It Yourself-Szene endlich wieder erhältlich. Die drei, bzw. vier Frauen sorgten in den Achzigern für einen ganz speziellen Farbtupfer in der an Ungewöhnlichem und Exzentrik nicht armen Post-Punk-Bewegung.
Nachdem japanische Gruppen wie After Dinner oder Wah Ha Ha via Recommended Records London in den Kanon der “Anderen Musik” aufgenommen und einem, überschaubaren, internationalem Avantgardepublikum nähergebracht wurden, und spätenstens der von Fred Frith produzierte Welcome To Dreamland – Sampler (Celluloid) auch uns anfixte, gab es einen kleinen Run auf die sündhaft teuren 12″ Inch-Importe von z.B. Luna Park Ensemble, A-Musik oder eben Saboten, die aber neben der exquisiten Musik dafür auch japanische Verpackungskunst par excellence boten.
Während einer langen Autofahrt vom winterlichen Bremen – wo wir ein Wochenende lang die dort zu dieser Zeit blühende Kassettentäterszene in Augenschein nahmen – Richtung Süden, legten wir einen, natürlich von langer Hand geplanten, Kurzaufenthalt in Würzburg ein: In der Dominikanergasse bei No Man’s Land konnte man diese und andere Perlen in Augenschein nehmen und erstehen (und wurde nebenbei vom “diensthabenden” Rigo freundlichst und kundig beraten).
Aber, Saboten: Wie ihre englischen Vorbilder zu dieser Zeit entschieden die Kunststudentinnen Anfangs der 1980er, dass es an der Zeit war eine Band zu gründen und dabei waren etwaige handwerklichen Fähigkeiten an den Instrumenten unbedingt zu vernachlässigen.
Auf dem ersten Album, der EP Immutably There und verstreuten Stücken, die neben dem Tape Sports Et Divertissements auf dieser fabelhaften Doppel-LP kompiliert wurden, wechseln sich instrumentale Stücke mit solchen mit Gesang ab. Satomi Matsumoto (Guitar, Lead & Backing Vocals, Harmonica), Izumi Miyakawa (Bass, Korg Synthesizer, Piano), Atsuko Tanabe (Drums) und phasenweise Masae Fuma (Guitar) entwickelten eine höchst idiosynkratische Auffassung wie aktuelle Musik zu klingen habe. Mit minimalistischen Mitteln spielten sie eine melodiöse, aber kantige Musik, in der sowohl Gitarre, Bass und Piano Leadinstrumente waren und über die repetiven, vertrackten Rhythmustrukturen feine Akzente setzen. Satomi Matsumotos bizarre Texte waren Resultat ihrer notierten Träume und als Philosophiestudentin träumt man auch schon mal in Deutsch oder von Außerirdischen, die Worte aufsaugen. In wohl typisch japanischer Art passten bei Saboten – scheinbar – naive Verspieltheit und Sophistication auf wunderbare Weise zusammen.
Etwas später entwickelten sie eine Obsession für Erik Satie und insbesondere für dessen Pianosuite Sports Et Devertissements, was eines der merkwürdigsten wie faszninierendsten Tondokumente überhaupt zur Folge hatte – Let’s Satie. Die Idee war es, die Noten der Piano-Suite in Rhythmen zu übersetzen. Dazu gesellte sich der legendäre Lol Coxhill am Saxophon, der sich damals in Tokio aufhielt und stets für bizarre Unternehmen zu haben war. So ist die Musik auf Let’s Satie sowohl freie Improvisation, Avantgarde-Rock, knorrig-verspielter-fragiler New Wave-Pop und das von Izumi Miyakawa auf dem Piano gespielte Original.
Saboten – Floor Et Satie (EM Records)