Ripples

February 11th, 2023

Firmaet Forvoksen- Undone Shal
Bloedneus & De Snuitkever – Milli Milli

Aus der auffällig vielseitigen musikalischen Szene in Stavanger kommt nach der sperrigen Solo-Platte von Gaute Granli für Ultra Eczema ein weiteres Beispiel der Kategorie Unanhörbarkeit mit Ohrwurmcharakter. Diesesmal konnte Granli Thore Warland als ähnlich veranlagten kompromisslosen Weggefährten gewinnen. Unter dem Bandnamen Firmaet Forvoksen spielen sie eine Musik, die manchmal wie eine aktualisierte Version des unbestrittenen Meilensteins von The Residents – Eskimo – klingt, denn die Fake-World Music-Songs widmen sich mit ähnlich musikalischen Mitteln den kargeren Landschaftsteilen Norwegens. Steife Winde jagen über die Tundra, ein undefinierbarer, klagender Singsang beschwört und besänftigt die Naturgeister, exzentrisches Gitarrengezupfe und rituelle Trommeleien vereinen sich zu einem alchemistisch bis zäh-dichten Klangteppich, der, mit Synthesizer-Noise angereichert, und psychedelisch verschwurbelt ständig Gefahr läuft, ins Chaos abzustürzen, dann aber doch immer wieder die Kurve bekommt und beweist, dass der Wahnsinn immer auch Methode haben kann.

 

Das beiliegende Poster, das Granli und Warland beim Ausritt vor einem norwegischen See zeigt, lässt uns noch mehr rätseln.

Lukas De Clerck hat sich für seine Experimente der musikalisch-transzendenten Art dem alt-griechischen Aulo als Instrument seiner Wahl verschrieben. Als Kontrast zu dem sanften Flöten, mit denen das Aulo laut Wikipedia fälschlicherweise assoziiert wird, geht es hier phasenweise laut und fast Dudelsack-Oberton-mäßig zur Sache.

 

Bloedneus & De Snuitkever als Künstlername kann auch wahrscheinlich nur einem Belgier einfallen und mit seinen feedback-nachhallenden Kompositionen auf der Milli Milli – LP lotet er das Klangspektrum der Kirchen, in denen die Platte aufgenommen wurde, nochmals neu aus. Das klingt als Gegensatz zum dronigen Part auch zwischenzeitlich irrlichternd-melancholisch und vortastend. Die nicht ganz unbekannten Pfade, die Lukas De Clerck mit der Verbindung von alter und neuer Musik beschreitet, passt perfekt in das Kuriositätenkabinett des Labelkatalogs von Kraak.

kraak.net

 

Comments are closed.