Charlotte Gainsbourg
November 15th, 2009
Charlotte Gainsbourg – IRM
Lemon Incest, clever in Szene gezetzter Tabubruch, wirkte so nachhaltig, dass Charlotte Gainsbourg ihre musikalischen Ambitionen für rund zwei Jahrzehnte vergaß und dafür im Film vom Nachwuchstalent zur gefragten Charkaterdarstellerin avancierte. Doch 2006 erschien mit 5:55 plötzlich ein ambitioniertes Pop/Chanson-Album von CG, für das sie sich Songs von Air, Jarvis Cocker und Neil Hannon schreiben ließ. Stellenweise wirkte sie auf dem Album allerdings noch wie ihr eigener Gast. Deutlich selbstbewußter und abgeklärter kommt nun ihr Gesang auf dem Nachfolger zur Geltung, ein Album, für das sie Beck als Produzenten und Songschreiber gewinnen konnte: IRM entstand, laut Interviews, in einem Prozess enger Zusammenarbeit von Charlotte Gainsbourg und Beck Hansen – einem Meister der Arrangierkunst und selbst erklärter Fan von Vater Gainsbourg. Er lässt IRM wie aus einer Zeit entstanden wirken, als man eine Platte noch als vierzigminütiges Gesamtkunstwerk ansah und dramaturgisch durchdachte. Eklektisch, üppig und exzentrisch instrumentiert (Streicher, Orchester, holprige Rhythmen, originelle Melodieeinfälle und Chöre), psychedelisch, folkig, schräge C & W- Adaptionen, bei Heaven Can Wait und Time Of The Assassins dann hymnisch-popig, bevor dann bei La Colle Cliomeuse Apollinaire zitiert wird; das Titelstück handelt von CG’s Hirnblutung, die sie letztes Jahr erlitt (IRM ist die franzsösiche Bezeichnung für die radiographische Untersuchung), Chat Du Cafe Des Artistes ist eine Cover-Version des franko-kanadischen Chansoniers Jean-Pierre Ferland von 1972 und der (in-)direkteste Bezug auf S.G. charlottegainsbourg