Soundtracks mit spukhafter Fernwirkung
August 8th, 2012
Philip Jeck – Live in Liverpool
The Caretaker- Patience (After Sebald)
Richard Skelton – Verse Of Birds
Ela Orleans – Mars Is Heaven/Live
U.S. Girls – On Kraak/Live
Literarisch ist die Technik der Überlagerung von Fiktion und Realität gängiges Stilmittel, in die auch die naturwissenschaftlichen und metaphysischen Aspekte des Zusammenhangs von Erinnerung, Gedächtnis und Amnesie – wie z.B. von W.G. Sebald zur Meisterschaft gebracht – relevantes Gewicht haben können.
Wohl bedingt durch die mittlerweile unfassbar großen Tonarchive, die durch die neuen Speichermedien in den letzten Jahrzehnten entstanden und den scheinbar uneingeschränkten Zugang zu diesen Datenmengen, ist in der abstrakten Musik ein Subgenre gesprossen, dass sich an die schriftstellerischen Techniken anlehnt und biographisches und erfundenes Material/Quellen mischt und etwas Drittes generiert.
Philip Jeck war einer der Ersten, der das Thema (kulturelles) Gedächtnis in den Mittelpunkt seines musikalischen Oeuvres stellte.
Time Machine
June 12th, 2011
Ein Interview mit Ela Orleans
Surreal, verwirrend, hypnotisierend! Die Musik auf Lost, Ela Orleans Album für La Station Radar, ist eine seltsame idiosynkratische Mélange: sie vereint sanfte Melancholie, aus dem Kontext gerissene Schlager aus einer anderen Zeit und experimentelle Soundscapes. Unergründliches Fernweh, sublime Abenteuergeschichten, seien sie vielleicht auch nur erfunden, und ein großes Maß abstrakter Sophistication schwingen bei den Stücken mit. Musik also, genau aus jenem Stoff gemacht, den wir, Armchair Travellers zumeist, lieben und doch selten zu hören bekommen.
The Music Of JG Thirlwell
May 4th, 2010
The Music Of JG Thirlwell
Für die bislang überzeugendste visuelle Umsetzung/Interpretation von J.G. Ballards The Atrocity Exhibition von Jonathan Weiss schrieb ein anderer J.G., nämlich Thirlwell, den Soundrack für diese Chronik über den mentalen Zusammenbruchs eines Arztes, der seine Patienten in eine Serie von bizarren Aufführungen einbindet. Ein Konstrukt des Filmes – bestehend aus einem an einen Antennenmast montierten Stuhl, ein TV – Gerät, einer Satellitenschüssel und einer Art Gartenzaun – steht immer noch auf dem Dach von Thirlwells Brooklyner Apartment.
The Drowned World – ein Nachruf
June 10th, 2009
J. G. Ballard
‘I sometimes think that in a sense we’re entering a New Dark Age. The lights are full on, but there’s an inner darkness…because we’re retreating into a sort of mind-set of our pre-rational forebears who lived in a kind of animist world where everything had a spirit – every twig, every stone in a stream… where questions of guilt and anxiety and fear and aggression ruled our reflexes.
It’s an extraordinary development that someone working on the forefront of advanced science and technology should on Sunday put on a different hat, go off and listen to fables spun about a Palestinian resurrection cult 2000 years ago. It’s bizarre, in a way.’ (JGB, conversation with V. Vale, Graeme Revell)