Bruxelles Soundscapes 6

January 10th, 2009

Ink – We Never Know

Drita Kotaji und Stephan Barbery waren, bevor sie sich 2001 zu INK zusammenschlossen, beide für einen nicht zu unterschätzenden Part der Außenseitermusik Belgiens verantwortlich.

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Barberys’ Digital Dance gehörte zu den ersten Post-Punkbands außerhalb Großbritanniens und brachte es zu Kultstatus; obwohl die Gruppe in punkto Veröffentlichungen sträflich unterdokumentiert blieb. Eingeweihten ist er auch durch seine psychedelisch-surrealen graphischen Arbeiten, z.B. für die Legendary Pink Dots ein Begriff.

Drita Kotaji realisierte diverse musikalische und visuelle Projekte (mit u.a. Marie Delier, Alain Neffe, Hector Zazou), eine produzierte, aber noch unveröffentlichte Soloplatte wartet darauf, publik gemacht zu werden; einen mythischen Ruf verdiente sie sich allerdings zuvor mit der 1980er Band Berntholer, und vor allem einem Stück: ‘My Suitor‘ : ein bitterböser Torchsong mit einer von einem Cello getragenen Melodie, die einem nicht mehr aus dem Kopf geht. Für einen kurzen Moment schien gar ein internationaler Durchbruch möglich; die Band kollabierte allerdings bevor es dazu kam, aufgerieben zwischen falschen eigenen Vorstellungen und Versprechungen seitens des Labels und den Managern. Schade, denn Berntholer hatte wie die damals hochgehandelten verkopften britischen Bands von Cherry Red und co. Gespür für existentialistische Popsongs, und dazu noch den Charme des frankophonen Akzents.

Beinahe zwei Jahrzehnte später kann man Dritas eigenwillige Songs in einem anderen musikalischen Kontext und weiter gereift hören. INKs ‘Ever Now’, über mehrere Jahre überwiegend zuhause entstanden, ist ein introspektives Meisterstück, das lyrisch und musikalisch sich Seelenzuständen zwischen meditaitver Gelassenheit und emotionalen Aufwallungen annimmt/annähert. Natürlich beeinflusst von der musikalischen Geschichte – New Wave, Folk, Ambient, Industrial – aber doch zu eigen und versponnen, um wirklich einem Genre gerecht zu werden, ist Ever Now ein klassisches D.I.Y.-Album, wie man es nur noch selten zu hören bekommt. Dritas Texte über die Vagheiten des Seelenlebens, Deutungen über das Unausgesprochene, über das unentwegte Verinnen der (Lebens-) Zeit beispielsweise, sind von einer spröden Direktheit, die einen nachhaltig treffen kann und dann auf einen seltsamen melancholischen Trip führt (nicht immer zu empfehlen). ‘INK filtern Realität durch Gefühle, Träume und Natur’, so Drita. Barberys Musik – er spielt Gitarre, Piano, Keyboards, Bass, Perkussion, außerdem werden Samples und Geräusche verwendet – hat durch die sich wiederholenden dichten, atmosphärischen Stimmungsbilder eine ähnliche Sogkraft.

Ein neues Album ist für 2010 geplant; einige Demos kann man als Appetithäppchen auf Dritas Website hören. Außerdem partizipiert sie an einem Projekt verschiedener Künstler in der Brüsseler Innenstadt, das sich auch auf deren blog verfolgen lässt.

ineverknowrecords

dritakotaji

10-12web.blogspot/com

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