Mit der “Allstar –  Recommended Records – Formation” Vril (Bob Drake, Lukas Simonis, Chris Cutler ), die von sich behauptet, eine intellektuelle oder auch eine C21- Version einer Surfmusikband zu sein, tourt er derzeit als Gastgitarrist. Mit seinem eigenen Projekt The Thurston Lava Tube hat Alan Jenkins in der letzten Dekade das Genre mit ähnlich Vertracktem und der ihm eigenen Kombination aus Understatement und Sophistication allerdings gleich auf wahnsinnigen acht Platten durcheinandergebracht, zahlreiche schräge Hommage – Kompilationen mal ganz außer acht gelassen. Cordelia Records, was waren das für Zeiten in den 80ern, als in erster Linie im deutschsprachigen Raum und den Benelux-Ländern The Deep Freeze Mice und etwas später The Crysanthemums (die Fusion mit Hamster – Boss Terry Burrows) den DIY-Untergrund vom Post-Industrial ins subversive Pop-Nirvana manövrierten? Kommerziell sprang dabei naturgemäß wenig bis nichts raus. Durch das unbezahlbare Engagement von Joachim Reinbold aka JAR, der zahlreiche Platten zuerst per Postversand, dann in Lizenz und dann in Eigenregie vertrieb,  veröffentlichte und später Tourneen organisierte, erwarben sich die Cordelia – Bands allerdings einen ausgezeichneten Insider-Ruf für exzentrische Popmusik. Seit Reinbolds Rückzug aus dem Geschäft ist das Nervenzentrum wieder ausschließlich in den britischen Midlands beheimatet, wo – wie auch noch weiter nördlich – eine scheinbar unstillbare Sehnsucht nach dem leichten Leben am Strand als Kompensation für ein (postindustrielles) Leben weiterhin wundersam-obskure Blüten treibt (Surfin Dave hat man noch in Erinnerung, die Girlbands Hotpants in Romance und Poppy & The Jezebels sind zwei aktuelle Beispiele). Die ersten drei Lava Tube – Alben, von denen die ersten beiden plus die EP Pour Quoi Pas Moo nun auf 80 Minuten zusammengepackt als CD erhältlich sind, sind vielleicht – trotz oder gerade dem verqueren, aber dann doch irgendwann vorhersehbaren Popvarianten der Vorläufer The Creams und Ruth’s Refrigerator das Innovativste seit der legendären Doppel – LP der Deep Freeze Mice. Auch beinahe ohne Gesang und Text ist Jenkins oft beschworene Subversität omnipräsent. Titel wie A Murderer, A Mass Murderer and a Man in a Bri-Nylon Shirt, I Was A Teenage Camel, Christmas in the Measles Ward at The Battersea Dog’s Hospital oder Plague of Cows bedürfen selbstverständlich keiner weiteren Erklärung. Leicht wacklige Surf-Gassenhauer wechseln sich mit improvisatorischen Klangcollagen ab, die trotz Finesse immer noch näher am autodidaktischen Post-Punk Gestus als am Impro-Kanon beheimatet sind.
cordelia

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