Élise Caron & Lucas Gillet – A Thin Sea Of Flesh
September 12th, 2009
Élise Caron & Lucas Gillet – A Thin Sea Of Flesh
Élise Caron ist eine künstlerisch Mehrfachbegabte oder sollte man zeitgeistig polymath sagen: Sängerin, Komponistin, Dichterin, Schauspielerin, Flötistin und Komödiantin; ein wohl nur in Frankreich pannenfrei bestreitbarer Werdegang. Mir spät erst als geniale Ko-Gesangspartnerin Albert Marcoeurs’ zur Gehör gekommen – wo sie auf ‘Ma Vie Avec Elles’ aber auch Flöte spielte – hinterließ sie einen umso nachhaltigeren Eindruck und ich bin seitdem auf jedes Lebenszeichen neugierig.
Neben weiteren Zusammenarbeiten – mit z.B. John Greaves und David Chevallier, die sie entscheident mitprägte – veröffentlliche Caron in den letzten Jahren auch Soloalben – La Rapatirole, Euydice Bis und die erfolgreiche Kinderplatte Chansons Pour Les Petites. ‘A Thin Sea of Flesh’ ist die neueste Arbeit, diesmal zusammen mit Lucas Gillet (Klavier) eingespielt. Bei den Texten handelt es sich um Gedichte Dylan Thomas’, deren Vertonung ein langgehegtes Projekt seit 1992 war. Zuvor haben sich ja beispielsweise schon Stravinsky und John Cale berufen gefühlt, ‘Do Not Go Gentle Into That Night’ Poesie in einem anderen Kontext darzustellen. Uneinsortiebar und freigeistig üben hier Caron und Gillet den Spagat zwischen Avantgarde und Klassik, Chanson und Pop und kommen dem Rätselhaften, das den Gedichten Thomas’ innewohnt, sehr nahe. Gillet, in klassischer und zeitgenössischer Musik geschult, ist auch dem Nichtakademischen nicht abgeneigt; Elise Caron kann innerhalb einer gesungenen Textzeile in coolem Understatement sämtliche Seelenzustände ausloten; das knüpft nicht von ungefähr an andere Meister wie Dagmar Krause/Art Bears oder Robert Wyatt an. (Le Chant Du Monde)