Nine Rain – VI
September 12th, 2009
Nine Rain – VI
Nachdem die Aktivitäten von Tuxedomoon in den 1990ern schon eine Weile brach lagen und deren Mitglieder nach und nach Brüssel verließen, um sich in alle Kontinente zu verstreuen, entstanden verschiedene Seitenprojekte. Steven Brown zog es nach einer kurzen Rückkehr in seine Geburtsstadt Chicago 1993 nach Mexiko, wo er sich zuerst vor allem politisch engagierte.
Mit Nikolas Klau, einem Weggefährten aus Brüssel, und mexikanischen Musikern gründete er dann Nine Rain. Deren gegenüber der Musik von TM zugänglichere Mélange aus Jazz- und Weltmusikversatzstücken erschloß einen eher ungewöhnlichen Hörerkreis aus Jazzfestivalbesuchern, in Europa, aber auch in Mexiko. ‘Nine Rain VI’ wurde nun mit Unterstützung des mexikanischen Kulturinstituts realisiert und wagt sich musikalisch in deutlich experimentellere Gefilde vor. Weniger Songs als elektronische atmosphärische Miniaturen; man könnte sich an die frühen TM-Filmsoundtracks erinnert fühlen, würden nicht auch selbstgebaute Instrumente zum Einsatz kommen, die den unterkühlt arrangierten Kompositionen einen wärmeren Farbton beimischen und auch einen Touch Weltmusik. Mit ‘The Craving’ findet sich aber auch ein typisch knorriges Brown’sches Croonerstück auf der Platte und auf ‘Serbia’ hören wir titelgemäß eine windschief-wacklige Brassband, die auch einem Zack Condon aka Beirut unterkommen könnte. Da ja auch Tuxedomoon wieder reaktiviert wurde, ist es sicherlich nicht uninteressant zu verfolgen wie sich beide Projekte beinflussen werden. ‘VI’ ist übrigens, da staatlich gefördert, bei Independent Records kostenlos (exklusiv Portokosten) zu erwerben.